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Anarchie für Unternehmer, Manager und die Aktionäre?

Junge sucht im Müll nach Nahrung
Bosch, Hieronymus Wikipedia

Unter dem Liberalismus hatten die Menschen Anfang des 19. Jahrhunderts schon einmal zu leiden, denn es zeigte sich, dass eine Gesellschaft zu Grunde geht, wenn nicht der Staat der Gier der Unternehmen Einhalt gebietet. Es geht da nicht um Moral und Ethik, sondern ganz klar darum, dass Unternehmen in ihrer Profitgier einfach übersehen nachhaltig zu denken, was auch ihren eigenen Untergang bedeutet. Die damalige Weltwirtschaftskrise mit ihren weltweiten Hungersnöten, den daraus resultiernden Kriegen, sind einfach nur die logischen Konsequenzen gewesen.

Heute, im Neoliberalismus (der Begriff wurde 1938 von Alexander Rüstow erstmals geprägt), glaubt man klüger zu sein, denn man hat ja schließlich aus der Vergangenheit gelernt und erkannt, dass es einen starken Staat braucht, der die Unternehmer in ihre, für sie selbst gesunden Schranken, weist. Leider geht diese Rechnung aber nicht auf, da man den natürlichen Drang jedes Unternehmens nach mehr Gewinn und Macht wieder einmal unterschätzt hat. Man hat den Staat so stark werden lassen, dass er in Ruhe erst einmal alle nur erdenklichen Hürden, die sich gegen die Profitgier aufbauen, in aller Heimlichkeit und zum Wohl des Volkes, aus dem Weg räumen konnte (Arbeitsmarktreformen, Hartz 4, Outsourcing, Agenda 2010, Zulassen von Zeitarbeitsfirmen, 1 Eurojobs, Streikverbot, Demonstrationsverbot in besonderen Fällen, Beschneidung der Rechte der Arbeitnehmer, siehe Kündigungsschutz, etc.).

Dadurch hat sich die Regierung aber fast selbst entmachtet, denn sie hat eigentlich dem, was die Unternehmen fordern und auch tun, nicht entgegenzusetzen. Nein, ein kluger Politiker mischt da am besten gleich mit, sitzt in den Vorständen, hält sich in der Wirtschaft ein Plätzchen warm, lässt sich von Managern, die im Grunde für hunderttausende von Arbeitslosen verantwortlich sind, beraten (zahlt diesen horrende Honorare). Ministerposten, Abgeordnetensitze oder Kanzlerperioden könnte man auch als prima Praktikumsstellen bezeichnen, die ein Sprungbrett für einen festen Arbeitsplatz in der Wirtschaft garantieren.

Bedenklich ist nur, dass dieser Neoliberalismus nicht nur in Deutschland praktiziert wird, sondern dass er überall auf der Welt rasend schnell Fuß fasst (außer in den moslemischen Staaten, was sie vielleicht auch deshalb zu Schurkenstaaten degradiert), was man dann salopp Globalisierung nennt.

Man kann also aus soziologischer Sicht die Globalisierung gerne auch als eine neue, globale Gesellschafts- und Regierungsform sehen, in der es endlich gelungen ist, dass eben nicht Regierungen regieren, sondern Unternehmer hemmungslos Gewinne scheffeln können, ohne dass sie sich dafür schämen müssen, wenn sie Regierende kaufen (weil sie es einfach nicht mehr tun müssen). Sozusagen ist eine Anarchie für die Unternehmen angebrochen, Der schnöde Mammon regiert also doch die Welt! Fragt sich nur wie lange?

Gemäß dem Gesetz der Wiederholung und in Anbetracht der technischen Möglichkeiten von heute sollte man sich wirklich Sorgen um die Zukunft machen, was die nächste Weltwirtschaftskrise angeht! Mal sehen, was aus ihren Trümmern dann wachsen wird.

Man darf gespannt bleiben.

 

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