Es wird ein Tier geboren, ein Eisbärbaby, und die Welt, vor allem die deutsche, steht Kopf! Die Schlagzeilen überschlagen sich, auf allen Newsseiten im Web kann man den kuscheligen Bären sehen, ganz Deutschland, nein, die ganze Welt scheint Anteil an dem Schicksal des verstoßenen Eisbärenkindes zu nehmen. Gut, Knut ist süß, natürlich ist er das, und es erleichtert einen ganz schön, dass er überlebt hat (im Gegensatz zu seinem Zwillingsbruder), aber warum entsteht gerade heute so ein Hype um dieses tapsige Eisbärenbaby? Was macht es aus, dieses Kind, in einer Zeit in der täglich um die 150 Arten austerben, in der der natürliche Lebensraum des Eisbären schmilzt, so dass man jetzt schon tote Eisbärenweibchen findet, die von ihren männlichen Artgenossen angefressen wurden (aus Hunger)? Während in Afrika zigtausende Menschenbabies, die ja eigentlich auch ganz süß sind, an Hunger, Aids und Folgen von grausamen Bürgerkriegen sterben, feiern wir hier das Überleben eines Eisbären, als wenn Jesus auferstanden wäre. Freilebende Tiere werden ihres Felles, ihrer Zähne, ihrer Geschlechtorgane und ihrer angeblichen Heilwirkung wegen gejagt, gefangen, getötet und verkauft. Wir wissen dass durch den menschlichen Egoismus ganze Landstriche für Tiere unbewohnbar gemacht werden, und zum guten Schluss steht uns die Gewissheit auf die Stirn geschrieben, dass Dank globaler Erderwärmung, eine vom Menschen höchst selbst - prophezeihte Apokalypse bevorsteht, die nicht nur den Eisbären, sondern auch noch ganze Artenvielfalten (man munkelt so von ungefähr der Hälfte des jetzigen Bestandes) auf diesem Planeten ausgerotten wird (ob wir auch zu diesen Arten gehören wollen wir lieber nicht bedenken).
Da beschleicht einen doch ab und an das Gefühl, dass dieser Freudentaumel um Knut nicht die einfache Erleichterung, die durch das schnöde Überleben ausgelöst wurde, sondern eher eine ganz banale Gewissenserleichterung, und zwar eine deutsche, ja eine europäische, wenn nicht sogar eine globale, ist!
Das Interesse an Knut - eine globale Gewissenserleichtung?

- Knut drei Monate alt Wikipedia

- Knut zwei Monate später im Mai Wikipedia

- Ausgewachsener Eisbär Wikipedia

- Gefangene Eisbärjunge Wikipedia
Um es noch einmal deutlich zu machen, es ist ein rein natürlich, sich über das Überleben eines Lebewesens, noch dazu eines solch putzigen, zu freuen. Es geht hier nicht darum, ob Knut leben soll oder nicht. Natürlich soll er das, er soll zu einem großen Eisbären werden, einem Raubtier übrigens, der sich in keinster Weise von seinen Artgenossen unterscheidet! Vielleicht verliert man dann das Interesse an ihm, und er kann, wie jeder Bär in Gefangenschaft, von der einen Seite des Käfigs oder Geheges zur anderen wandeln, den Körper ständig hin- und herschwenkend (bei Menschen nennt man das dann Hospitalismus, eine furchtbare Art von Vereinsamung, die vor allem in Psychiatrien des letzten Jahrtausends zu beobachten war).
Was stutzig macht ist das globale Interesse, und wenn man eins und eins zusammenzählen möchte, dann könnte man zu dem Schluss kommen, dass dieses Phänomen mit der globalen Schuld an der globalen Klimaveränderung zusammenhängt. Auffallend ist auch, wie schnell die Mördschin-Deiser, also die, die aus Nichts Geld machen können, sich diesem Bären zugewendet haben. Knut ist eine übergroße Werbefläche, eine äußerst gewinnversprechende Geldquelle geworden, es fehlt eigentlich nur noch, dass er an die Börse geht. Eisbärbabykuscheltiere (Icebear-Born, das sind auch Steifftierchen die brummen und Pipi machen können, welch Geschäftsidee, man spielt Knuttierpfleger, das fehlt noch), Bilder, Postkarten, PC-Games und so weiter erfreuen das Konsumentenherz. Bald kommt sicher der Film "Ein Frühlingsmärchen- Knut's Geburt in Berlin" raus, was Millionen Menschen in die Kinos treibt, um nochmals netzhautnah nachspüren zu können, was alle zu Tränen rührte und in Jubelschreie ausbrechen ließ. Aber, aber, man zahlt doch dann für einen guten Zweck, die Kampagne "Rettet die Umwelt!" wird mit diesem Geld unterstützt. Dann glauben wir das eben auch noch.
Warum muss im Zoo in Berlin erst ein Eisbärbaby überleben, damit Millionen von Menschen erkennen, dass sie Tiere lieben und eigentlich auch erhalten wollen? Und warum glauben die Menschen, dass der Konsum, also der Kauf von Knutprodukten das Einzige wäre, was sie zur Erhaltung des Lebens auf diesem unseren Planeten beitragen könnten.
Alle die sensationslustig vor Knuts Gehege gaffend Stehenden, die glückselig aufjuchzen, all die, die wie wild die Knutprofukte kaufen, sollte man direkt fragen, was sie für die Erhaltung der freilebenden Knuts, die wohl bald wegsterben werden, bereit sind aufzugeben, auf was sie als erstes verzichten würden (wenn sie denn könnten)!
Dass die Eisbären in freier Wildbahn wohl in Zukunft nicht mehr zu retten sind, ist irgendwie jedem langsam klar, die Antwort auf die Frage aber, ob wir Menschen mit unserer pervertierten und respektlosen Art mit Leben umzugehen noch zu retten sind, die bleiben wir uns schuldig.
Bewerten Sie diesen Artikel
Folgende Portale unterstützen lichtkugel.de
EU verbietet die Glühbirne - Infos, Kritik | Sonnensturm 2012 - eine Gefahr für den Menschen | Sozialpädagogische Kinder- und Jugendprojekte / Reiseprojekte / ISE / Krisenintervention / Nachhilfe / Hausunterricht | Allgäu Urlaub Sport Ausflug Wellness | Homöopathie Bachblüten Schamanismus Kinesiologie |Single Partnerbörse Flirtline | Heilpraktiker | Programmierung Contentmanagement SEO Design




