What the Fuck is Bleep?
Ein Quantensprung im Denken und Glauben durch Quantenphysik- oder - Gehirngewaschener Quantenquatsch durch Esoterik- Quark?
Bleep, ein nun seit einiger Zeit angesagter Film der Esoterikergemeinde und derer, die sich dieser nun nach dem Film vielleicht auch zugehörig fühlen könnten (wenn sie denn weit genug ins Mysterium eindringen wollen), sollte ursprünglich folgenden Titel haben: ?What the fuck do we (k)now?? Das war dann wohl den Machern vielleicht doch zu hart gewesen, es wäre der Film unter Umständen nicht so gut angekommen oder auch angenommen worden, deshalb entschied man sich wohl das ?Fuck? durch ?Bleep? (im Amerikanischen ist das die Bezeichnung für den Ton, der bei Kraftausdrücken den O-Ton des Sprechers übertönt), zu ersetzen, was an der entscheidenden Aussage des Films nicht großartig etwas ändert, also nicht stört.
Kritiken sind wohl genügend geschrieben worden, und man könnte meinen, dass es deswegen nicht noch zusätzlich eine bräuchte, und das stimmt unbestritten.Gleichwohl ist bis jetzt eben nur kritisiert worden, der Message aber ist noch nichts entgegengesetzt, ihr sind noch keine Gedanken gegenüber gestellt worden, die einfach zeigen könnten, wie spekulativ, suggestiv und vor allem auch wie falsch oder eben eingleisig, nicht vielleicht die Fakten, aber die aus ihnen gezogenen Schlüsse, dargestellt wurden.
Weder von wissenschaftlicher, philosophischer noch von theologischer Seite sind bemerkenswerte Gedanken zu dieser ?neuen? Art des Denkens und Glaubens verkündet worden, so als wenn die ganze Gesellschaft sich nicht daran interessiert, dass da eine Welle in Gang gesetzt wird, die ganze Massen von Menschen mit sich reißt, die da glauben, dass Realität absolut gestaltbar wäre und jeder selbst ein Gott sei.
Das ist auch nicht gerade einfach, denn man kommt eigentlich nicht zum Nachdenken während des Anschauens des Filmes, sondern man hechelt den Informationen nur so hinterher, um den Faden nicht zu verlieren. Man konsumiert die Weisheiten und die Wege zu ihnen eben nur, mehr bleibt einem bei diesem Tempo auch gar nicht übrig. Der Zuschauer wird geradezu im Minutentakt mit Fakten, wissenschaftlichen Erkenntnissen (es sieht zumindest oft so aus, als wenn es welche wären, die dann auch noch neu seien), schwadronierter Philosophie, abgehandelter Theologie, feinster Tricktechnik, mystischen Verklärungen und verzwickten Fragen dermaßen vollgeballert, dass man eigentlich nach jedem dritten Satz den Film anhalten müsste, um sich klar zu werden, was man da gerade gehört oder gesehen hat, und vor allem, ob das denn auch stimmt, was einem da verkündet wird. Wäre auch nur die Hälfte der Informationen und Fragestellungen die behandelt werden nur ansatzweise auch tatsächlich beantwortet (so wie es ja dargestellt wird), dann hätte das die Menschheit in revolutionäre Zustände bringen müssen, im Denkerischen zumindest. Denn die Fragen sind gewagt und die Antworten versprechen die Erkenntnis, ja fast schon die abschließende Erleuchtung, über all die seit tausenden von Jahren gefragten Fragen. So sieht es auf den ersten Blick zumindest aus.
Was aber besagt Bleep, um was speziell und generell geht es denn nun?
Im Grunde suggeriert der Film, dass es erstens keine ?Realität? zu geben scheint und zweitens dass jeder auf Grund dieser Theorie (die im Film aber als Faktum präsentiert wird) sich seine Realität zusammenstellt und somit auch Gott ist. Als Beweislage werden Erkenntnisse vor allem der Quantenphysik herangezogen, ohne dass diese tatsächlich wirklich behandelt wird. Namhafte Wissenschaftler stellen ?schwierige? Fragen und beantworten diese dann in nicht nachgefragter, ontologischer, denkerischer Weise, sondern sie finden in sich schlüssige Antworten, die dann in Abgleich mit denen esoterischer Meister zusammengefügt, nur eine Schlussfolgerung zulassen.
Es ist nicht so, dass die gestellten Denkanregungen abstrus seien, sondern sie sind einfach nicht weit, nicht tief und nicht konträr bedacht worden. So ist es immer ein Leichtes, von einem angenommenen Punkt (der aber als Tatsache in den Raum gestellt wird) zum nächsten eine logische Verknüpfung zu suggerieren, und am Schluss kommt eben nur die eine mögliche Wahrheit heraus. Ein Bespiel einer solchen ist folgende. Im Film macht sich ein Professor Gedanken darüber, dass es doch komisch sei, dass wir überhaupt keinen Zugang zur Zukunft haben sollen. Zur Gegenwart und zur Vergangenheit hätten wir einen, wir gehen mit beiden um, aber eben nicht mit der Zukunft. Daraufhin folgert er, untermauert mit technischen Spezialtricks, eine These (welche ist an dieser Stelle nicht unbedingt wichtig). Auffallend ist aber hier die Tatsache, dass es einfach in den Raum gestellt wird, dass wir einen Zugang zur Gegenwart und Vergangenheit hätten. Bei genauerer Betrachtung müssten wir doch zumindest nach psychologischen Erkenntnissen anerkennen, dass wir auf jeden Fall zur Vergangenheit und letztendlich nicht mal zur Gegenwart einen realen, objetkiven Bezug haben. Damit ist die Aussage, auf der sich der Professor sein Gedankenkonstrukt aufbaut, plötzlich der Basis entzogen, sind die Schlussverfolgerungen im Grunde gehaltlos. Aber gerade weil dieser Film genau auf diese Masche aufgebaut ist, sieht so aus, als hätten die Macher es tatsächlich geschafft, durch vernünftiges Denken einen Glauben kreieren zu können, den man dann denkend wissen kann, also nicht mehr einfach glauben muss. Sinnigerweise zeigt aber dann doch der Schluss des Filmes, dass es Spiritualität braucht, um in die letzten Geheimnisse einzutauchen. Im letzten Satz wird gefragt, in wie weit man bereit ist, sich in das Mysterium einzulassen, und plötzlich ist es nicht die Quantenphysik, die bisher immer herhalten sollte, sondern doch wieder die Spiritualität, die Esoterik, die das Sagen hat. Da im Film die Professoren und sonstigen Redner nicht vorgestellt werden, wird der eine oder andere den Abspann verfolgen, um einfach in Erfahrung zu bringen, wer denn nun diese kluge Köpfe waren. Er wird unter Umständen dann doch noch zur Erleuchtung des Abends geraten, spätestens dann, wenn er lesen muss, dass einige Redner Meister bestimmter esoterischer Circle sind, und im Nachhinein bekommt das von ihnen Gesagte plötzlich ein ganz anderen Zusammenhang.
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